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Archive for the ‘Gesundheit’ Category

Thomas Ritter

Manchmal geschehen noch kleine Wunder. Ein solches erleben gerade die Einwohner des Bezirks Dompu auf der indonesischen Insel Sumbawa. Obwohl etwa drei Mal größer als Indonesiens bekanntestes Touristeneiland Bali, ist das tropische und gebirgige Sumbawa mit etwa 800.000 Einwohnern verhältnismäßig dünn besiedelt. Die meisten Menschen hier leben von der Landwirtschaft und sind überwiegend Selbstversorger. Sumbawa ist in ganz Südostasien für seine Pferde bekannt, Nachkommen der legendären mongolischen Rassen. Die Pferde werden üblicherweise eingesetzt, um Cidomos, Transportkarren, zu ziehen. Noch heute sind die Cidomos ein weit verbreitetes Transportmittel auf Sumbawa.

Doch inzwischen haben nicht nur die Einheimischen, sondern auch Wissenschaftler festgestellt, dass die Sumbawa Ponys noch ganz andere Aufgaben erfüllen können. Die Milch der Stuten ist in der Lage, verschiedene Krebsarten zu heilen. Einheimische Züchter lassen ihre Pferde halbwild aufwachsen. Die Tiere müssen sich ihr Futter im Dschungel selbst suchen. Das ist Tradition, denn es erhöht die Qualität der Milch. Davon ist nicht nur Züchter Junaiddin überzeugt, der aus Saneo stammt, einem kleinen Ort, etwa zehn Kilometer von der Bezirksstadt Dompu entfernt.

Nachdem die Heilwirkung der Stutenmilch von indonesischen Wissenschaftlern bestätigt wurde, formierte sich hier eine Genossenschaft von Pferdezüchtern, die inzwischen mehr als 50 Mitglieder zählt. Sie nennen zusammen über 200 Pferde ihr Eigen, von denen 30 Stuten ausschließlich für die Milchproduktion vorgesehen sind. Dies bedeutet eine Ausbeute von 60 bis 80 Flaschen frischer Stutenmilch täglich. In Saneo wird die Milch für 15.000,— Rupiah (etwa 60 Euro-Cent) pro Flasche verkauft. Je weiter entfernt von den Zuchtgebieten der Verkauf erfolgt, umso teurer wird die Milch. In Mataram, der nächsten größeren Stadt, beträgt ihr Preis schon einmal 100.000,– Rupiah (etwa 7,00 Euro) pro Flasche.

Die Milch der wilden Stuten unterscheidet sich geschmacklich vollkommen von Kuh- oder Büffelmilch. Darüber hinaus weist sie den Vorzug auf, sich bis zu vier Monaten frisch zu erhalten, sofern sie an einem trockenen und kühlen Platz gelagert wird. Die Heilkräfte der Milch entfalten ihre volle Wirkung nach zweimonatiger Lagerung. Inzwischen unterstützt auch die Bezirksverwaltung von Dompu die Farmer bei der Produktion und Vermarktung der Milch. Bereits 2004 wurde Milch aus Saneo vom Bogor Dairy Product Analysis Center getestet. Hierbei stellte sich heraus, dass die Milch sowohl Magen-Darm-Infektionen als auch Magengeschwüre in der Lage war zu heilen. Ihr Genuss hemmt effizient das Wachstum von bakteriellen und viralen Erregern. Eine noch größere Überraschung erlebten die Wissenschaftler jedoch, als klar wurde, dass die Stutenmilch auch Magen- und Darmkrebs zu heilen vermochte.

»Die Analyse zeigte, dass ausschließlich die Milch der Stuten von Sumbawa, speziell aus der Region Dompu, über einen hohen Anteil an natürlichen Antibiotika verfügt, welche den Heileffekt auslösen«, meint Bezirksamtssprecher Wahyuddin. »Dies liegt in den Ernährungsgewohnheiten der Pferde begründet, die verschiedene Heilkräuter aus dem Dschungel ebenso gern verzehren wie ein spezielle Art von Holzwürmern.«

Inzwischen reisen die Farmer von Saneo zu Messen in ganz Indonesien, um ihre Erfahrungen mit anderen Pferdezüchtern zu teilen. Doch es hat sich inzwischen herausgestellt, dass vor allem die Umweltbedingungen von Dompu, Saneo und einigen anderen Orten entscheidend sind für die Produktion der heilkräftigen Milch.

Deshalb zieht es auch immer mehr einheimische und ausländische Besucher auf der Suche nach Heilung oder Linderung ihrer Beschwerden in die 1.800-Seelen-Gemeinde in Zentralsumbawa, sehr zur Freude der Farmer, die durch das Geschäft mit der Stutenmilch nun ihrer Armut entfliehen können.

»Nun können wir die Erlöse unserer Getreideernten zum Kauf von Dingen des täglichen Bedarfs verwenden, während wir mit dem Geld, was wir durch die Milch verdienen, größere Anschaffungen tätigen und die Ausbildung unserer Kinder bezahlen können«, freut sich Pferdezüchter Arifin.

Der Bezirk Dompu liegt in Zentralsumbawa. Er kann entweder mit dem Flugzeug (Fluglinie Merapi) von Bali aus oder per Pkw und Fährüberfahrt via Lombok erreicht werden. Die nicht unbedingt einfache Anreise lohnt sich jedoch auf jeden Fall für alle, die Heilung oder zumindest Linderung ihrer Leiden suchen. Wer zu einer solchen Tour nicht in der Lage ist, kann die Stutenmilch auch in den Apotheken von Denpasar, der Hauptstadt Balis, erwerben. Hier sind dann die Preise allerdings deutlich teuerer als auf Sumbawa.

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Quelle: Jakarta Post, 2. April 2008, S. 8, »Horse milk cures poverty, cancer in Sumbawa«.

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Andreas von Rétyi

Die Mistel, jene alte »Druidenpflanze«, gilt schon lange als mögliches Mittel gegen Krebs. Allerdings hält die Schulmedizin nicht sehr viel von der Misteltherapie – das ist großteils noch bis heute so. Jetzt gibt es allerdings neue Forschungen, die durchaus Positives über die Mistel zu verkünden haben.

Die etablierten Medien verhalten sich oft recht zaghaft, wenn die Sprache auf sinnvolle Alternativen zu den schulmedizinischen Krebstherapien kommt. Zwar werden ab und an sensationell klingende Berichte vermeldet – so etwas macht sich durchaus gut, denn es steigert die Auflage und erleichtert womöglich sogar auch das redaktionelle Gewissen ein wenig. Doch zu viel wäre von Übel. Vor allem für die große Industrie, die mit teuren Chemiepräparaten nicht ganz wenig verdient. Natürlich, da stecken auch enorme Entwicklungskosten drinnen. Nur, das Wesentliche, das ist die Wirksamkeit eines Medikaments. Und wie sieht es auf diesem Gebiet aus?

Zwar hat die Chemotherapie bei einigen Krebsformen durchaus echte und anhaltende Erfolge zu verzeichnen, die nicht von der Hand zu weisen sind, dennoch zeichnet sich ein düsteres Gesamtbild ab, und die Erfolge sind oft mehr der enorm fortgeschrittenen Diagnostik zu verdanken als den traditionellen therapeutischen Maßnahmen. Da nützt auch die hoch gelobte Hochdosistherapie nichts, im Gegenteil, sie nimmt dem Körper auch noch die letzte Chance auf Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Ganz anders die Anstrengungen auf dem Sektor der alternativen beziehungsweise komplementären Medizin. Sie alleine bietet gewiss auch kein Patentrezept oder das ersehnte Allheilmittel an. Andernfalls könnten Mediziner unmittelbar darauf zurückgreifen und diese Methode mit hundertprozentiger Erfolgsquote anwenden. Nur bleibt Krebs immer noch ein unwahrscheinlich komplexes Geschehen, das molekularbiologisch und diagnostisch zwar bereits gut erfassbar, therapeutisch aber oftmals schwer oder eben überhaupt nicht in den Griff zu bekommen ist. Illusionen sollten wir uns hier nicht machen. Wenn jedoch der ohnehin schon geschundene und durch Krankheit stark belastete Körper durch chemische Keulen niedergeknüppelt wird, was das Zeug hält, funktioniert bald nichts mehr richtig und am Ende kippt das System. Kein Wunder, wenn dann die Krankheit Oberhand gewinnt.

Schon seit Jahren arbeiten Komplementärmediziner mit Extrakten der geheimnisvollen Mistel. Diese Halbschmarotzerpflanze birgt über tausend Inhaltsstoffe, von denen viele noch nicht einmal richtig analysiert und identifiziert sind. Ungeachtet dessen steht die mysteriöse Pflanze schon lange im so wohltuenden Verdacht, ein wirksames Heilmittel für viele Krebsarten zu sein. Dazu noch in Form relativ preiswerter und auch kaum belastender Therapien. Viele Schulmediziner zeigten sich allerdings von den bisher vorgelegten Ergebnissen kaum beeindruckt, selbst wenn die Bilanzen traditioneller Verfahren eher peinlich ausfallen und nicht unbedingt stolz herumgezeigt werden können.

Wie nun auch Discovery News berichtete, legten Wissenschaftler des Institut Hiscia im Schweizer Arlesheim eine aktuelle Studie vor, die belegt, dass mit einem Mistelpräparat behandelte Krebspatienten faktisch länger leben. Analysen über mehrere Jahrzehnte hinweg zeigen laut Renatus Ziegler und Ronald Grossarth-Maticek bei Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs deutliche Vorteile der Therapie mit Viscum Album, der in Europa weit verbreiteten weißbeerigen Mistel. Das Präparat Iscador besteht aus mit Lactobacillus fermentierten Auszügen und erweist sich laut der neuen Studie als lebensverlängernd. Patienten, die zusätzlich zur Standardtherapie auch Mistel verabreicht bekamen, lebten durchschnittlich ein halbes Jahr länger als Vergleichspatienten ohne entsprechende Iscador-Behandlung.

Dr. Gunvar Kienle vom Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methologie (IFAEMM) in Freiburg befasst sich ebenfalls mit komplementären therapeutischen Verfahren, darunter auch der Mistelbehandlung. Er bestätigt »gute Hinweise darauf, dass Viscum Album die Lebensqualität der Patienten verlängert und bescheidene Hinweise auf eine Lebensverlängerung und Tumorremission bei hoher Dosierung und lokaler Anwendung«. Immerhin. Nicht zu vergessen, dass die Therapie nur begleitend eingesetzt wurde. Bekanntlich haben Patienten nach völliger Abkehr von chemotherapeutischen Verfahren und bei alleiniger Anwendung von Mistelpräparaten trotz vorausgegangener schulmedizinischer »Austherapierung« schließlich überlebt. Dies mögen Einzelfälle sein, doch leider hört man in der Öffentlichkeit nur selten etwas von ihnen. Interessant ist ganz allgemein, dass man von den Überlebenden dann kaum etwas vernimmt, sobald sie mit alternativen Verfahren geheilt wurden.

Vor 25 Jahren schien über die Mistel bereits ein Todesurteil bezüglich ihrer behaupteten Eigenschaft als Krebstherapeutikum gesprochen worden zu sein. Damals, im Jahr 1984, erklärte eine Expertengruppe der Schweizer Gesellschaft für Onkologie, dass eine Wirksamkeit von Iscador gegen beim Menschen vorkommende Krebsformen nicht nachweisbar sei. Rudolf Steiner, der schon 1916 als einer der Ersten auf die positiven Eigenschaften der Mistel hingewiesen und sie als Mittel gegen Krebs erkannt hat, wurde von Kritikern wie Stephen Barrett, einem Mediziner des US-Chemie-Establishments, bereits als Quacksalber und Okkultist hingestellt. Doch ganz so einfach gestaltet sich die Sachlage eben auch hier nicht. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen sehr zahlreiche andere, frühere Studien, die eine tatsächliche Wirksamkeit von Iscador oder auch anderer Mistelpräparate in der Behandlung von Krebs zwingend nahe legen.

Nur, eine alte Regel scheint zu besagen: Wenn ein Patient nach alternativer Therapie an Krebs stirbt, so wäre er mit traditionellen Verfahren, sprich: chemische Keule, unzweifelhaft noch zu retten gewesen. Stirbt er aber nach schulmedizinischer Behandlung, was trotz der offiziell hohen Anerkennung der betreffenden Methoden immer noch erstaunlich geschieht, so ließ sich eben wirklich nichts mehr machen – die Krankheit war einfach schon zu weit fortgeschritten! Die Therapie aber war auf jeden Fall die Richtige. Warum wohl?

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Andreas von Rétyi

Bisher entzog sich das Glioblastom, ein besonders gefährlicher Hirntumor bei Erwachsenen, jeglicher erfolgreichen Behandlung. Eine neue Therapie soll hier einen Durchbruch schaffen.

Wie sich allmählich herumspricht, steht die im Grunde durch keinerlei wirkliche Erfolgsergebnisse gerechtfertigte etablierte Therapie meist ohne jeden größeren Nutzen da, während alternative bzw. komplementäre medizinische Verfahren nicht selten weitaus positivere Ergebnisse vorzuweisen haben – und das selbst dann, wenn der Patient bereits zu den »austherapierten« Fällen zählt: jenen Fällen also, die nach langwieriger und höchst belastender schulmedizinischer Standardtherapie als unheilbar eingestuft worden sind.

Mit zu den gefährlichsten Tumorarten zählt das Glioblastom, ein Hirntumor, der vor allem bei älteren Erwachsenen auftritt und schnell in umliegendes Gewebe eindringt. Diese speziellen Tumoren besitzen meist unregelmäßige Gestalt und zeigen diffuse Verläufe ins normale Hirngewebe hinein. Daher lassen sie sich operativ schwer entfernen, vollständig ohnehin nicht, da einzelne Tumorzellen bereits meist die gesunden Bereiche infiltriert haben. Entsprechend schlecht ist die Prognose dieses schnell wachsenden Tumors, der von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Grad IV eingestuft wurde.

Die traditionelle schulmedizinische Behandlung verläuft im Grunde auch hier nach dem altbekannten Muster: operative Entfernung der Tumorhauptmasse durch einen neurochirurgischen Eingriff, anschließende Bestrahlung und Chemotherapie – die üblichen ABC-Waffen der Onkologie also. Allerdings kann diese Therapie die Krankheit nicht stoppen und das Überleben auch nicht wesentlich verlängern. Viele Patienten überstehen nur wenige Monate, in Einzelfällen können es einige Jahre sein.

Natürlich gibt es nicht nur in der komplementären, sondern auch in der etablierten Schulmedizin die verschiedensten Versuche, alternative Wege zu gehen. Bislang hält man aber immer noch geradezu dogmatisch an der onkologischen Waffen-Philosophie fest. Da an anderer Stelle schon oft die Rede von potenziellen Alternativen auf naturmedizinischer Basis war, soll hier nur kurz auf eine neue Entdeckung eingegangen werden, die das Einsatzgebiet der vorwiegend chemischen Waffen der traditionell wirkenden Krebsmediziner immerhin einzuschränken im Stande sein könnte.

Bereits seit längerer Zeit versuchen die Chemokrieger, ihre Kampfstoffe gezielt an die Tumoren selbst zu bringen und damit die normalerweise den gesamten Körper in Mitleidenschaft ziehende bisherige Strategie sinnvoll zu fokussieren. Ein neuer Schritt in diese Richtung wurde von Wissenschaftlern des kalifornischen Davis-Krebszentrums unternommen und jetzt im European Journal of Nuclear Medicine and Molecular Imaging veröffentlicht. Schon der Titel des Fachblatts gibt deutlichen Aufschluss darüber, dass der geneigte Mediziner auf jenen Seiten vergeblich nach Mistel- oder Magnetfeldtherapie suchen dürfte. Gefragt ist hier vielmehr knallharte reale Wissenschaft, manchmal leider eine Scheinwelt für sich. Wie auch immer, Forscher um den Hematologen und Onkologen Kit Lam stellen hier ihre potenzielle Lösung für zukünftige Therapieformen des Glioblastoms vor, in Form des Moleküls LXY1. Dieses Molekül bindet sich hochspezifisch an ein Zelloberflächenprotein namens Alpha-3-Integrin, das wiederum stark gehäuft in Tumorzellen vorkommt. LXY1 könnte also ein geeignetes Transportmittel für Chemotherapeutika darstellen, die natürlich, wenn schon überhaupt, dann auch nur direkt in den Tumor selbst eingebracht werden sollen, während der restliche Körper unbehelligt davon bleibt. Auch strahlende Nanopartikeln, beispielsweise Nuklide wie Jod 131, will Lam nun mittels LXY1 gezielt an die Orte des Tumorgeschehens verfrachten. Damit würde die belastende Gesamtdosis massiv herabgesetzt, doch letztlich scheint es so, als würde man wiederum nur den Teufel mit Beelzebub auszutreiben versuchen. Dass auch konzentrierte Gaben von naturheilkundlichen Präparaten in der Lage sind, nicht nur lindernd zu wirken, sondern sogar Tumoren ohne jegliche vorausgegangene Operation zu beseitigen, scheinen die Erfolge und Erkenntnisse des Düsseldorfer Mediziners Prof. Dr. Klaus Maar zu beweisen. Er beschreibt auch, dass mittels intravenös injizierter Mistelpräparate sogar Lungentumoren beseitigt wurden. Der große Vorteil solcher schonender Therapien besteht darin, dass eine Ausbreitung des Wirkstoffs im gesamten Körper keinerlei Schäden an gesundem Gewebe hervorruft und daher auch keine spezifische, lokale Anwendung nötig ist.

Nichts täuscht darüber hinweg, dass Krebs immer noch eine der größten therapeutischen Herausforderungen darstellt. Bisher gibt es keine Standardtherapie, kein Patentrezept. Doch die fortgesetzte Eingleisigkeit der etablierten Schule beruht weniger auf ihren Erfolgen als auf einem starren Dogma mit traurigem Hintergrund. Gleich welche neuen Methoden hier zum Einsatz kommen mögen, eine künftig stärkere Einbindung der komplementären Methoden wäre wirklich mehr als wünschenswert, sonst tritt das System auf der Stelle. Doch genau dies scheint manchen Kräften gerade recht zu sein.

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Michael Brückner

Fünf der sechs Mitglieder im Direktorium der Europäischen Zentralbank kommen aus insolvenzgefährdeten Staaten der Euro-Zone. Der einzige deutsche Vertreter sollte nach dem Willen der Kanzlerin neuer Chefvolkswirt werden. Doch Jörg Asmussen wurde mit einem weniger einflussreichen Posten abgespeist. Chefvolkswirt ist nun Peter Praet, früher in der gleichen Position für die belgisch-niederländische Pleitebank Fortis verantwortlich.

Das neue Jahr begann mit einem deutlichen Signal an alle Anleger – doch bedauerlicherweise war es kein gutes: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nun endgültig die Weichen gestellt, um von einem strikten Stabilitätskurs in der Tradition der Bundesbank Abschied zu nehmen. »Die EZB mag ihren Standort zwar in Frankfurt haben, doch auf ihren Fluren weht längst der Geist der Banca d’Italia«, schrieb dieser Tage ein deutscher Finanzjournalist goldrichtig. Mit der Berufung des

Belgiers Peter Praet zum neuen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank werden alle hochkarätigen Positionen im Direktorium der vermeintlichen Euro-Hüter von Vertretern aus stark insolvenzgefährdeten Staaten besetzt.

An der Spitze steht Mario Draghi aus Italien – einem Land mit der zweithöchsten Verschuldung in der Euro-Zone nach dem de facto bankrotten Griechenland. Als Vizepräsident fungiert Vitor Constancio aus Portugal. Dieses Land musste bekanntlich im vergangenen Jahr unter den sogenannten Euro-Rettungsschirm flüchten, um gleichsam in letzter Minute einen Staatsbankrott abzuwenden. Und der neue Chefvolkswirt kommt aus einem Land, das aktuell mit fast 100 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in der Kreide steht. Peter Praet war früher Chefvolkswirt der belgisch-niederländischen Fortis-Bank, die im Geschäftsjahr 2008 einen Verlust von atemberaubenden 22 Milliarden Euro aufwies und nur durch eine teilweise Verstaatlichung vor der Pleite gerettet werden konnte.

Ebenfalls im EZB-Direktorium vertreten ist der Franzose Benoit Coeure, der vorübergehend ebenfalls als neuer Chefvolkswirt im Gespräch war. Auf diesen Titel muss er nach der Berufung von Peter Praet zwar verzichten, er wird künftig aber das Ressort »Marktkooperationen« leiten. Damit übernimmt er die Verantwortung für die Anleihekäufe der Zentralbank. Und genau dies ist alles andere als eine beruhigende Botschaft, denn Coeure setzte sich in der Vergangenheit Insiderberichten zufolge für noch umfassendere Aufkäufe von Anleihen insolvenzgefährdeter Staaten ein. Ebenfalls im EZB-Direktorium vertreten ist José Manuel Gonzalez-Paramo aus Spanien – ebenfalls ein potenzieller Pleitekandidat in der Euro-Zone.

Drei bemerkenswerte Dinge gilt es daher am Beginn eines neuen Euro-Krisenjahres festzuhalten. Erstens stellt Deutschland zum ersten Mal seit Einführung des Euro nicht mehr den Chefvolkswirt. Diese Position war nicht zuletzt von hoher marktpsychologischer Bedeutung. Otmar Issing, der als ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank später das gleiche Amt in der EZB bekleidete, gilt nicht nur als international renommierter Ökonom, er personifizierte darüber hinaus die Stabilitätskultur der deutschen Währungshüter, die den Politikern – auch in der Bundesrepublik – schon immer ein Dorn im Auge war. Jürgen Stark, der aus Protest gegen die Aufkäufe von Pleite-Bonds im Herbst genervt das Handtuch warf, setzte diese Tradition fort.

Zweite Erkenntnis: Nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt des neuen EZB-Präsidenten Draghi befindet sich das operative Organ der Zentralbank fest in den Händen der europäischen Pleitestaaten. Obwohl die Deutsche Bundesbank rund 19 Prozent des gezeichneten Kapitals der EZB hält (weitaus mehr als die Notenbanken anderer Staaten), hat Deutschland im Leitungsgremium der Zentralbank kaum noch etwas zu sagen.

Drittens ist die Berufung des Belgiers Peter Praet zum neuen Chefökonom eine schwere Niederlage für Angela Merkel und ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble. Beide hatten ihren Kandidaten Jörg Asmussen zunächst über den grünen Klee gelobt. Es schien ausgemachte Sache zu sein, dass Deutschland weiterhin diese wichtige Position besetzt. Jetzt soll Asmussen als »Außenminister« der EZB fungieren, manche nennen ihn schon den »Gruß-August«. Nur noch peinlich klingen vor diesem Hintergrund die Versuche Schäubles, dieses grandiose Scheitern schönzureden. Von einer »ausbalancierten Entscheidung«, sprach der Finanzminister. Und davon, dass die EZB mit Praet gut aufgestellt sei. Schäuble war es, der Anfang Oktober seinen Kandidaten Asmussen im Kreis seiner Kollegen aus der Euro-Zone durchsetzte. Damit galt als sicher, dass der Deutsche die Position des Chefvolkswirts übernehmen würde. Kaum war der neue EZB-Chef Draghi im Amt, galten die Vereinbarungen plötzlich nicht mehr. Im Frankfurter EZB-Tower hat ein Kartell der Schuldensünder die Verantwortung übernommen.

 

 


Quelle: KOPP ONLINE

 

 

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